POC Fonds POC Proven Oil Canada

 

Die Unternehmensgruppe POC (Proven Oil Canada) aus Berlin hat sich nach eigener Auskunft auf die Emission und das Management von Fonds für Öl- und Gasbeteiligungen in Kanada spezialisiert. Auffällig ist, dass sich in der POC viele Personen aus dem Umfeld von Dr. Jürgen Hanne finden. So seine beiden Söhne und sein ehemaliger Geschäftspartner Jürgen Hainzl. Hanne drehte mit Immobiliefonds in den neunziger Jahren ein großes Rad. Er wurde wegen Betruges verurteilt und setzte sich nach Kanada (!) ab...

Bei der POC sollen Anleger in bereits produzierende Öl- und Gasquellen investieren. Dabei soll es sich nach Angaben der POC nicht nur um die laufende Produktion, sondern auch um noch nicht ausgeschöpfte Quellen handeln. Allerdings sollen auch Investitionen in den Bau von Industrieanlagen zur Gewinnung von Bioenergie und den Kauf von Industrieflächen stattfinden. Bisher sollen ca. 11.000 Anleger rund 300 Millionen Euro investiert haben.

Dabei handelt es sich insbesondere um die Fonds:

• POC Eins GmbH & Co. KG
• POC Zwei GmbH & Co. KG
• POC Growth GmbH & Co. KG
• POC Growth 2. GmbH & Co. KG
• POC Growth 3 Plus GmbH & Co. KG
• POC Growth 4. GmbH & Co. KG
• POC Natural Gas 1 GmbH & Co. KG
• POC Natural Gas 2 GmbH & Co. KG

• POC Oikos GmbH & Co. KG

Den Anlegern werden verschiedene Produktlinien angeboten:

• POC Growth
• POC Natural Gas
• POC Oikos

Anleger haben bzw. können sich mit einer Mindestzeichnungssumme von 10.000 Euro zzgl. Agio an den Fonds beteiligen. Die prognostizierte Zielstellung der Fondsgesellschaften ist die Verdoppelung der Kapitaleinlagen der Anleger vor Steuern in einer Laufzeit von nur vier bis sechs Jahren. Ebenso werden Vorabauszahlungen prognostisch in Aussicht gestellt. Beispielsweise bei dem POC Growth 4. GmbH & Co. KG liquiditätsabhängig jährlich 12 % des gezeichneten Kapitals (vierteljährlich ausgezahlt). Die Auszahlungen beginnen, wenn wesentliche Investitionen getätigt sind und daraus ausreichend Überschüsse zur Verfügung stehen.

Der guten Ordnung halber sei auch der entsprechende Risikohinweis auf der Website der Anbieter zitiert: „Es besteht das Risiko des Totalverlusts der Einlage zzgl. Agio. Individuell können dem Anleger höhere Nachteile entstehen. Die Anbieterin kann das Ergebnis der Vermögensanlage nicht garantieren. Es ist daher nicht auszuschließen, dass die Fondsgesellschaft über die Objekt- und Betreibergesellschaft keine oder nur geringe Erträge erzielt. In diesem Fall verringern sich die Auszahlungen an den Anleger oder bleiben ganz aus. Eine ausführliche Darstellung der Risiken ist ausschließlich dem Verkaufsprospekt zu entnehmen.“

Kanadische Muttergesellschaft will deutsche Anlegergelder!

POC Eins GmbH & Co. KG; POC Zwei GmbH & Co. KG; POC Growth GmbH & Co. KG; POC Growth 2. GmbH & Co. KG; POC Natural Gas 1 GmbH & Co. KG; POC Growth 3 Plus GmbH & Co. KG sowie POC Growth 4. GmbH & Co. KG.

Bei diesen Gesellschaften handelt es sich um Fondsgesellschaften, an denen sich Anleger als mittelbare Kommanditisten beteiligen können. Nach den Angaben im Verkaufsprospekt der POC Growth 4. GmbH & Co. KG ist Muttergesellschaft der Komplementärgesellschaften der Fonds die kanadische Conserve Oil Corporation.

Die Fondsgesellschaften geben die von den Kommanditisten gezahlten Gelder an kanadische Objektgesellschaften weiter. Nach dem Businessmodell der Fonds sollen die Anleger aus den laufenden Öl- und Gasverkäufern eine Ausschüttung von 12% erhalten. Dementsprechend wird die Beteiligung an der POC Growth 4. GmbH & Co. KG auf der Homepage der POC Energy Solutions GmbH als "Kurzläufer mit zweistelligem Renditepotential" beworben.

Zumindest bei der POC Eins GmbH & Co. KG scheint diese Prognose nicht aufzugehen. Nach dem Jahresabschluss 2010 hat die Fondsgesellschaft in dem Jahr rund € 5.000.000,00 an die Anleger ausgeschüttet, allerdings hat sie auch Verluste in Höhe von rund € 5.600.000,00 erwirtschaftet.

Da bei den Objektgesellschaften zudem die Aufnahme von weiterem Fremdkapital beabsichtigt ist, könnte eine Gewinnausschüttung an die Fondsgesellschaften erst nach dem notwendigen Kapitaldienst erfolgen.

Es ist zu befürchten, dass die Ausschüttungen nicht aus den Erträgen der Gesellschaft gespeist werden, sondern dass es sich um eine Kapitalrückzahlung handelt, sofern nicht die Mieten wie prospektiert steigern werden.

Den Anlegern droht im ungünstigsten Fall die Verpflichtung nach § 172 HGB, die ausgezahlten Beträge zurückzahlen zu müssen.

In zahlreichen uns bekannten Fällen ist von einer Falschberatung oder unterlassenen Aufklärung der Anleger auszugehen, denn bei keinem Beratungsgespräch im Vorfeld der Zeichnung der Beteiligung wurden die Anleger darauf hingewiesen, dass das Immobilienvermögen nicht den Gegenwert der Beteiligung darstellt.

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs stehen einem Anleger der bei Zeichnung einer Kapitalanlage von einem Anlageberater unvollständig oder falsch über das Produkt und die damit verbundenen  Risiken aufgeklärt oder getäuscht worden ist, gegenüber dem Anlageberater ein Schadensersatzanspruch in Höhe des ihm entstandenen Verlusts zu.
 
Ein solcher Aufklärungs- und Beratungsfehler kommt nach Auffassung des Bundesgerichtshofs (BGH, III ZR 122/05) beispielsweise dann in Betracht, wenn der Anlageberater oder Anlagevermittler dem Anleger gegenüber die von ihm empfohlene Anlage als "sicher" bezeichnet hat, obwohl diese mehr oder weniger spekulativ, bzw. mit dem Risiko eines Totalverlusts behaftet ist.

Die im Verkaufsprospekt enthaltenen Risikohinweise einer solchen Kapitalanlage, bedeuten nicht, dass ein Anlageberater Risiken herunter spielen und mit seinen Erklärungen ein Bild zu zeichnen darf, das die Risikohinweise im Prospekt neutralisiert (BGH, III ZR 159/07).
 
Zudem muss ein Anlageberater das von ihm empfohlene Produkt auf seine Plausibilität prüfen und gegebenenfalls von einer Beteiligung abraten. Dem Anleger ist auch zu erläutern dass das empfohlene Produkt in Ermangelung eines entsprechenden Marktes nur eingeschränkt wieder verkäuflich ist, dass also grundsätzlich eine Fungibilität (Handelbarkeit) fehlt (BGH, III ZR 44/06).

Eine unvollständige und damit fehlerhafte Aufklärung und Beratung liegt regelmäßig auch dann vor, wenn der Anleger von seinem Anlageberater oder Anlagevermittler nicht darauf hingewiesen oder darüber im Unklaren gelassen wurde, dass nur ein vergleichsweise geringer Teil der Anlegergelder überhaupt zu Investitionszwecken verwendet wird, während mit einem Großteil des Geldes sog. Weichkosten bezahlt werden (BGH, II ZR 310/03).


 

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