AFD GmbH drückt weiter in hochriskante Gewerbe-Immobilien Fonds

05.05.2015 GoMoPa

AFD-Geschäftsführer Florian Schuh

(ss) - Ende 2013 hatte sich Florian Schuh (50), der Gründer und Chef des Finanz-Strukturvertriebs AFD GmbH aus dem Münchner Vorort Oberhaching, vorsorglich von seinen "71.000 zufriedenen Kunden" (AFD-Homepage) 5.000 Vollmachten einholen lassen, mit denen der AFD-Hausanwalt den bekannten Anwälten wie Gründig, Resch, Mutschke, Gröpper Köpke oder auch der Schutzgemeinschaft für geschädigte Anleger e.V. SdK aus Berlin schon mal vorbeugend jeglichen Kontakt verbat.

Schuh wollte Regress-Ansprüchen vorbeugend aus dem Weg gehen und vor allem verhindern, dass die AFD-Kunden, die aus ihren sicheren Lebensversicherungen in die hochriskanten Gewerbeimmobilien-Fonds der von Schuh am AFD-Sitz initiierten SHB Innovative Fondskonzepte AG hineinmanövriert wurden, nun ihre auf Jahre gezeichneten monatlichen Sparraten einstellen würden, die die Fonds am Leben halten.

Denn alle SHB Fonds schlitterten Ende 2014 praktisch an einer Insolvenz vorbei, schätzt der Berliner Anwalt Jochen Resch, zugleich Vorsitzender der Verbraucherschutzzentrale des Landes Brandenburg, gegenüber dem Finanznachrichtendienst GoMoPa.net ein.

Zwar, und da hat Schuh vollkommen Recht, bedeutet eine Kündigung der Fondsbeteiligung nicht die Auszahlung des Eingezahlten samt versprochener Zinsen. Es wird lediglich das sogenannte Auseinandersetzungsguthaben ausgezahlt. Und das bedeutet im Fall der SHB-Fonds, die sich mit der S&K-Gruppe aus Frankfurt eingelassen haben, einen herben Verlust.

Aber das ist möglicherweise besser, als weiter in eine Altersvorsorge einzuzahlen, die es am Ende gar nicht gibt.

Schuh behauptet aktuell auf seiner Homepage:

Zitat:

Unsere Vertriebspartner erhalten eine konsequente Aus- und Weiterbildung, um die Qualität der Beratung auf diesem hohen Niveau zu halten.

Anlegerschutzanwalt Jochen Resch aus Berlin

Nach Recherchen der Kanzlei Resch sieht die Anwerbung und Ausbildung neuer Vertriebspartner in der Praxis so aus, dass die neuen Partner selbst und ihre Freunde und Verwandte ihre Lebensversicherungen kündigen sollen, um wieder in hochriskante Gewerbe-Immobilienfonds zu investieren.

Als Vertriebsnachfolger der SHB-Fonds werden die IFK Sachwertfonds Deutschland Nr. 1 bis 3 aus Grünwald bei München vermittelt. Emittent und Fondsgeschäftsführer ist der Kaufmann Tibor von Wiedebach von Nostitz-Jänkendorf (46) von der IFK Initiatorengesellschaft für Kapitalanlagen AG aus Grünwald.

Im Augenblick ist der IFK Sachwertfonds Deutschland Nr. 3 im Vertrieb. Allein für den IFK Sachwertfonds Deutschland Nr. 1 Objekt GmbH & Co. KG haben von Auflage im Jahr 2008 bis zur Schließung des Fonds im Jahr 2010 rund 6.000 Anleger Fondsanteile im Wert von 100 Millionen Euro gezeichnet.

Das Eigenkapital des Fonds betrug 2012 rund 17 Millionen Euro. Die Verbindlichkeiten lagen bei 39 Millionen Euro. 55 Millionen Euro waren in Sachanlagen angelegt.

Die Kapitalanteile der Kommanditisten (Anleger) betrugen jedoch nur 580.000 Euro. Auf einem sogenannten Verlustsonderkonto hatte sich ein Verlust von rund minus 1,6 Millionen Euro angehäuft. Das Gewinn- und Entnahmekonto der Kommanditisten wies einen Verlust von rund minus 2,1 Millionen Euro aus.

Aber wie schon bei den SHB-Fonds bringen auch hier bei den IFK Sachwertfonds die Ratensparer immer wieder frisches Geld zum Erhalt der Fondsgesellschaften.

Symptomatisch für den Finanzvertrieb AFD schildert Jochen Resch den folgenden Fall einer angeworbenen neuen Vertriebsmitarbeiterin:

Zitat:

Hier soll am Fall der Karin Heizer (Name verändert) exemplarisch aufgezeigt werden, mit welchen Praktiken der AFD arbeitet. Karin Heizer wurde über die Struktur der AFD Vermittlerin Kerstin Schmat mit dem AFD und deren zweifelhaften Vertriebsmethoden bekannt gemacht. Kerstin Schmat ist aber nicht die einzige Vertrieblerin des AFD Allgemeiner Finanzdienst Deutschland, die sich derartiger Praktiken bedient.

[...]

Mit Zeitungsannoncen lockt der AFD Arbeitssuchende mit lukrativen Jobs

Karin Heizer las die Zeitungsannonce des AFD Allgemeiner Finanzdienst Deutschland. Da sie arbeitslos war, schien das Angebot attraktiv zu sein. Bei einem Besuch in den Büroräumen des AFD in Sachsen wurde ihr kurz erklärt, der AFD stehe für Finanzprodukte, die den Menschen einen Vermögensaufbau und eine Altersvorsorge sichern würde.

Bestehende Altersabsicherung des Bewerbers infrage gestellt

AFD Vermittlerin Kerstin Schmat erklärte gleich im Vorstellungsgespräch, die bestehende Lebensversicherung und Riesterrente von Frau Heizer seien nicht geeignet zur Altersvorsorge. Die würden nichts bringen.

Die auf eine Anstellung hoffende Karin Heizer fand die Argumentationslinie mangels besserer eigener Kenntnisse durchaus überzeugend und ließ sich von Kerstin Schmat überreden, ihre Lebensversicherung und Riesterrente aufzukündigen.

Der Rückkaufswert wurde gleich als Anzahlung in den IFK Sachwertfonds Deutschland 1 investiert.

AFD verschweigt Interessenkonflikt

Verschwiegen wurde freilich, dass es zwischen den AFD Gründern und den IFK Machern ein persönliches Beziehungsgeflecht gibt, die potenziell einen Interessenkonflikt beinhalten könnten. Es gibt keine Unabhängigkeit des AFD im Hinblick auf die IFK Sachwertfonds.

Vor dem Risiko des Totalverlustes wird nicht gewarnt

Völlig verschwiegen wurde auch, dass die Beteiligung am IFK Sachwertfonds eine Unternehmensbeteiligung ist, die in hohem Maße unternehmerische Risiken beinhaltet, die bis zum Risiko des Totalverlustes gehen. Zur Altersvorsorge ist die Beteiligung am IFK Sachwertfonds 1 nicht geeignet.

Den von AFD vertriebenen SHB Fonds droht die Insolvenz

Die Vorläuferfonds der IFK Sachwertfonds, die SHB Fonds Stuttgart, SHB Fürstenfeldbruck, SHB Renditefonds, SHB Altersvorsorgefonds und der SHB Fonds Erlenhofpark sind zum Jahresende 2014 gerade an der Insolvenz vorbeigeschlittert.

Umso unverantwortlicher ist es, die Notsituation der arbeitsuchenden Karin Heizer auszunutzen und ihren ohnehin unsicheren Status noch weiter zu verschlechtern, indem zur Auflösung bestehender sicherer Anlagen geraten wird, um diese in ein Risikoprodukt zu investieren.

Schulungsunterlagen des AFD verschleiern Risiken

Die Resch Rechtsanwälten vorliegenden Schulungsunterlagen für die neu angeworbenen Vermittler des AFD tun ihr Übriges, um den noch Unerfahrenen die Risiken der von ihnen jetzt selber angepriesenen Finanzprodukte zu verschleiern.

So werden diese Ahnungslosen bedrängt, innerhalb der Familie und im Freundeskreis nach Abschlüssen zu jagen. Sie können sich so Provisionen verdienen, um der Arbeitslosigkeit zu entfliehen. So glaubte auch Karin Heizer anfangs, ein Glückslos gezogen zu haben. Heute freut sie sich, mangels Verkaufstalents nur zwei Verträge mit Freunden abgeschlossen zu haben. Die Freunde mögen ihr verzeihen.

Sichere Lebensversicherung im Tausch gegen Risikoanlage


Wer einen Kunden veranlasst, bestehende Lebensversicherungen und sonstige sichere Anlagen aufzukündigen, um diese zur Altersabsicherung in eine risikobehaftete Unternehmensbeteiligung einzutauschen, begeht grundsätzlich eine Falschberatung. Das ist die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes. Diese Rechtsprechung kommt nun Karin Heizer zu gute. Schadensersatzanspruch wegen Falschberatung gegen AFD Diese Falschberatung führt zu einem Schadensersatzanspruch. Entsprechend gibt es eine Reihe von Urteilen, in denen auch der AFD zum Schadensersatz verurteilt wurde.

Entsprechend wird auch Karin Heizer vom AFD den vollständigen Ausgleich ihres Schadens Zug um Zug gegen die Abtretung ihrer Ansprüche aus der Beteiligung an dem IFK Sachwertfonds verlangen.


Nach den Erfahrungen von Resch Rechtsanwälte gibt es unzählige Arbeitsuchende oder vom Jobcenter vermittelte Anleger, die auf diese Art und Weise mit den Finanzprodukten des AFD Allgemeiner Finanzdienst Deutschland unliebsame Bekanntschaft machten.

Der AFD Allgemeiner Finanzdienst wurde 1986 gegründet und hat durch den Vertrieb der hauseigenen SHB Fonds viele tausend Anleger in zweifelhafte Kapitalanlagen gelockt. Nun denn...